Mikro-Eliminierung von Hepatitis C in der Opioid-Agonisten-Therapie (OAT) – Wichtige Erkenntnisse vom Schweizer Hepatitis-Symposium 2025

Von | 19 Dezember 2025

Aus dem Newsletter 12/25 von Hepatitis-Schweiz:  Das Schweizer Hepatitis-Symposium 2025 in Bern befasste sich mit einer drängenden Frage: Wie können wir die Mikro-Eliminierung der viralen Hepatitis C bei Menschen in Opioid-Agonisten-Therapie (OAT) erreichen, insbesondere in dezentralen Einrichtungen? Das Symposium betonte die Bedeutung integrierter Versorgungsmodelle, innovativer Diagnosemethoden und der Zusammenarbeit aller Beteiligten, um diese Herausforderung zu bewältigen.

Ein wichtiger Konsens des Symposiums war, dass die Diagnose und Behandlung von Hepatitis direkt in die OAT-Einrichtungen integriert werden muss, wie dies bereits in Suchtmedizinzentren der Fall ist. Die Herausforderung besteht jedoch weiterhin darin, diesen Ansatz auf dezentrale Einrichtungen wie Hausarztpraxen auszuweiten, um die Eliminierungsziele zu erreichen. Zu den auf dem Symposium vorgestellten internationalen Ansätzen gehörten Point-of-Care (POC)-Antikörpertests, die eine schnelle und unkomplizierte Untersuchung vor Ort ermöglichen, sowie Dried Blood Spot (DBS)-Tests, die eine einfache Probenentnahme und Versandmethode bieten, insbesondere für Patienten, die eine Venenpunktion vermeiden möchten. Ein weiterer wesentlicher Bestandteil sind Reflex-Tests, bei denen ein positiver Screening-Test automatisch Folgeuntersuchungen wie HCV-RNA-Tests auslöst. Darüber hinaus können POC-RNA-Tests eine sofortige Bestätigung einer aktiven HCV-Infektion liefern und so den Beginn der Behandlung beschleunigen.

Das Symposium hob auch die Notwendigkeit hervor, die Kompetenz der Ärzte durch gezielte Schulungen und Unterstützung zu stärken, damit sie sich bei der Behandlung von Hepatitis sicher fühlen. Zu den diskutierten Zukunftsstrategien gehörte die Integration von Peer-Support und Patientenlotsen in die klinische Praxis, mit Schulungsprogrammen für Peer-Berater und klaren Rollendefinitionen. Zur Verbesserung der Therapietreue wurden Systeme wie Apps, SMS-Erinnerungen und regelmäßige Check-ins durch Peer-Berater vorgestellt. Die Stärkung der Nachsorge nach der Behandlung wurde ebenfalls hervorgehoben, um das Risiko einer erneuten Infektion zu minimieren und eine langfristige Versorgung sicherzustellen. Ebenso entscheidend ist ein gesellschaftlicher Wandel: Stigmatisierung, Diskriminierung, Kriminalisierung und Gewalt gegen Menschen, die Substanzen konsumieren, müssen aktiv bekämpft werden, um den Zugang zur Versorgung zu verbessern.

Ein Schwerpunkt des Symposiums waren Daten aus der SAMMSU-Kohorte (Schweizerische Vereinigung für die medizinische Betreuung von Substanzkonsumenten), die eine landesweite Population von über 1.500 Menschen in OAT umfasst. Die Ergebnisse lieferten wertvolle Einblicke in den aktuellen Stand der Hepatitis-Versorgung und unterstrichen den dringenden Handlungsbedarf. Besonders aufschlussreich waren die Daten zu Hepatitis B und D: 30 % der Kohorte verfügten über keinen ausreichenden Schutz gegen Hepatitis B, eine alarmierende Zahl angesichts der Risikofaktoren der Population. Während 80 % der Population einem HBs-Antigentest unterzogen worden waren, waren nur 1,3 % positiv getestet worden. Noch besorgniserregender war, dass nur 50 % der Hepatitis-B-positiven Patienten anschließend auf Hepatitis D getestet wurden, was die Notwendigkeit klarer Testrichtlinien unterstreicht, um eine umfassende und konsistente Diagnostik zu gewährleisten. Ohne solche Richtlinien können wichtige Diagnosen übersehen werden und betroffene Personen erhalten möglicherweise nicht die notwendige Behandlung.

Zwei Vorträge befassten sich mit der Hepatitis-Versorgung in dezentralen Einrichtungen, wie z. B. der Primärversorgung außerhalb spezialisierter Einrichtungen. Diese Diskussionen deckten erhebliche Versorgungslücken auf, die häufig auf konkurrierende Prioritäten in der täglichen Praxis zurückzuführen sind. Primärversorger sehen sich häufig mit Zeitdruck, begrenzten Ressourcen und einem Mangel an klaren Strukturen für die systematische Umsetzung der Hepatitis-Diagnostik und -Behandlung in ihrer Praxis konfrontiert. Diese Herausforderungen wurden in den World-Café-Diskussionen weiter vertieft, wo deutlich wurde, dass Primärversorger klare Richtlinien und Testvorgaben benötigen.

Mögliche Lösungen sind die Einbeziehung der kantonalen Gesundheitsbehörden zur Festlegung einheitlicher Standards und Prozesse in der OAT sowie die Befähigung des Pflegepersonals, eine zentrale Rolle bei der Motivation, Aufklärung, regelmäßigen Testung und Befähigung der Patienten zu übernehmen. Als erste Anlaufstelle können Pflegekräfte durch gezielte Schulungen und klare Protokolle die Versorgung erheblich verbessern.

Die Erkenntnisse aus der SAMMSU-Kohorte und den World-Café-Diskussionen zeigen, dass eine nachhaltige Verbesserung der Hepatitis-Versorgung in der Schweiz klare Richtlinien, organisatorische Unterstützung und eine gestärkte Rolle des Pflegepersonals erfordert. Nur so kann sichergestellt werden, dass alle betroffenen Personen – unabhängig von ihrem Versorgungsumfeld – Zugang zu den notwendigen Diagnosen und Behandlungen haben.

Die Mikroeliminierung der Virushepatitis bei Menschen in OAT ist erreichbar, erfordert jedoch gemeinsame Anstrengungen, die integrierte Versorgungsmodelle, vereinfachte Diagnostik, einen schnellen Behandlungsbeginn und starke politische und gesellschaftliche Unterstützung umfassen. Durch die Zusammenarbeit von Klinikern, Peer-Beratern, politischen Entscheidungsträgern und allen Beteiligten können wir dieses Ziel verwirklichen.

Artikel zur Sammsu Studie auf www.sciencedirect.com

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